Innovative Produkte vom Schaf
Geeignet für alle Lebensbereiche

Das Schaf ist mittlerweile ein Lieferant für weitaus mehr Produkte als nur für Wolle, Fell und Fleisch. Auf die unterschiedlichste Art und Weise werden Bestandteile des Tieres mittlerweile verwendet:
Alle Menschen, die Kuhmilchprodukte nicht vertragen, mussten bislang auf vieles verzichten. Da es aber nun Schokolade aus Schafmilch gibt, können sich die Freunde des Süßen freuen. Während vor kurzem nur eine Schokoladensorte erhältlich war, gibt es die Schafsschokolade mittlerweile in der Vollmilchvariante, mit Zart-bittergeschmack oder als Weiße Schokolade. Darüber hinaus sind auch exotischere Varianten wie mit rosa Pfefferkörnern, Grau- und Weißmohn, Vanille oder Erdbeer-Kürbiskern erhältlich. Beim Kauf der Schafsmilchschokolade sollte allerdings darauf geachtet werden, ob sie laktosefrei ist. Entscheidend ist, ob die enthaltene Laktose beim Herstellungsprozess aufgespalten wurde und so ein beschwerdefreier Genuss möglich ist.
Für Kinder mit Kuhmilchunverträglichkeit sowie für ältere und schwache Menschen ist das Schafs-Vollmilchpulver wegen seiner guten Verdaulichkeit geeignet. Die frische Schafsmilch wird schonend im Sprühverfahren getrocknet und kann, mit Wasser angerührt, zur Zubereitung von Brei, Suppen, Soßen, Süßigkeiten, Backwaren und Pudding verwendet werden. Auch im Tee oder Kaffee schmeckt das Schaf-Vollmilchpulver.
Bislang noch eher unbekannt ist die Verwendung der Schafwolle als Dämmstoff beim Hausbau. Dies ist allerdings bereits seit 1992 möglich. Überlieferungen aus China belegen, dass mongolische Nomaden seit über 2000 Jahren ihre Behausungen mit einem drei Zentimeter dicken Filz aus Schafswolle dämmen. Dadurch erreichen sie im Sommer als auch in extrem langen und kalten Wintern eine erträgliche Raumtemperatur im Inneren der mobilen Domizile. Die Schafwolle-Dämmung ist hierzulande als Matte, Dämmfilz, Trittschalldämmung und Stopfmaterial erhältlich. Sie wird durch Mottenschutzmittel oder Borsalz schädlingsresistent gemacht. Die Dämmung mit Schafwolle wirkt sich positiv auf das Raumklima aus, weil der natürliche Stoff bis zu 33% seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und diese auch schnell wieder abgeben kann - ohne die Isolationsfähigkeit zu verlieren. Darüber hinaus lässt sich die leicht zu verarbeitende Schafwolldämmung als Abdichtung bei Fenster- und Türeinbauten, Dachschrägen einsetzen. Sie ist auch für die Dämmung von Decken und Außenwänden geeignet.
Last but not least finden sich auch zahlreiche Pflege- und Kosmetikprodukte, die aus Schafmilch hergestellt werden:
An erster Stelle sind dabei die Seifen zu nennen, die es in „natur“ sowie in verschiedenen Duftnoten wie Lavendel, Rose oder Ringelblume gibt. Mittlerweile werden aber auch verschiedene Hand- und Gesichtcremes, Dusch- und Bodylotion mit Schafmilch hergestellt. Die Produkte sind vor allem für normale und trockene Haut bestens geeignet.
Was hat die Schafzucht mit Musik zu tun?
Natürlich – früher spielten Schäfer beim Hüten auf der Flöte! Doch taten sie das wirklich? Beethovens „ Pastorale“ hat mit den Hirten zu tun. Ist es da hastiges Fressen von Schafen, was hinter der Hauptmelodie im letzen Satz erklingt? Und warum heißt eine zeitgenössische Musikgruppe „ Die Schäfer“? Geht man diesen Fragen nach, stellt man bald fest: Die musikalische Welt verdankt dem Schaf sehr viel, auch wenn man zuallererst an den Nutzen denkt.
Der Nutzen des Schafes für die Musik geht weit über die Schäferromantik hinaus und ist ganz handfest. Ein Schlachtschaf ist sozusagen ein regelrechter Instrumentenbaukasten. Mit dem Horn haben die Menschen sicher schon vor Tausenden von Jahren Töne erzeugt. Für Hirten war ein Widderhorn vielleicht zuerst ein Kommunikationsmittel, um über weite Entfernungen bzw. im unwegsamen Gelände Nachrichten auszutauschen oder den Tieren Signal zu geben. Vielleicht war es aber auch eines der ältesten Musikinstrumente. Aus Schafknochen (hauptsächlich aus dem Oberschenkel) lassen sich Flöten herstellen, die einer Blockflöte ähneln. Knochenflöten fertigt der Mensch von verschiedenen Tieren. Die Schildkrötenleier der griechischen Antike war mit Saiten aus Schafdarm bespannt, ebenfalls die gallische Lyra. Auch die Harfe und Geige waren ursprünglich mit Saiten ausgerüstet, die aus dem Darmsystem des Schafes stammten. Für Streichinstrumente kann der Spieler heute zwischen Schafdarm- und Kunststoffsaiten wählen.
Das universell einsetzbare Darmmaterial wurde sogar in die Trommel der schottischen Pipe Bands eingebaut. Eine Schafshaut kann zum Dudelsack werden. Traditionalisten unter den Pipern schwören auf das Schafleder in ihrem Bag, auch wenn es nicht allzu robust ist: Es soll ein präziseres Spiel ermöglichen als die anderen Lederarten. Dass Trommeln und andere Schlaginstrumente mit Schafshaut bespannt werden können, ist folglich auch nicht abwegig.
Was man kaum ahnt: Die Königin der Instrumente kommt auch heute noch nicht ohne Schafleder aus. In Kirchenorgeln wird Schafleder traditionell an vielen verschiedenen Teilen eingesetzt, z. B. im Blasebalg, in den Holzkanälen, in den Pfeifen, in den Ventilen. Auch Drehorgeln enthalten Membranen aus Schafleder. Schafleder war bzw. ist auch Abdichtmaterial für Klarinetten und Saxophone. Und selbst im Klavier ist Schafwolle unverzichtbar: als Filz auf den Hämmerchen, die die Saiten anschlagen, und als Achslager und Dämpferpüschel. Sogar die Klauen des Schafes machen Musik: In Südamerika verarbeitet man sie zu Rasseln.
Vom Verkauf dieser Instrumententeile oder Gegenstände kann der Schäfer nicht leben. Die Haupteinnahme der Schäfer oder Schafhalter ist der Verkauf von Lammfleisch.
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Martina Emmerich
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